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Von Claus Henkensiefken

Es soll das größte bisher am Deutschen Museum 3D-digitalisierte Objekt werden: das Raketen-Jagdflugzeug Messerschmitt Me 163 Komet. In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IIS an dessen Entwicklungszentrum Röntgentechnik (EZRT) in Fürth lassen das Ausstellungsprojekt „Historische Luftfahrt (1918–1945)“ und die Abteilung Deutsches Museum Digital dieses besondere Fluggerät aus dem Zweiten Weltkrieg mit Röntgenstrahlen durchleuchten, um ein dreidimensionales Modell des Flugzeuginneren zu erhalten. Dies geschieht an einem der weltweit größten und leistungsstärksten Computertomografen, der am EZRT entwickelt wurde.

Die Daten sollen Aufschluss über den Zustand des Flugzeugs geben, das im Jahr 1964 dem Museum geschenkt wurde. Mit konventionellen Untersuchungsmethoden blieben viele Details der Objektgeschichte dieser speziellen Maschine bisher im Dunkeln, da sie aus konservatorischen Gründen nicht für nähere Untersuchungen auseinandergenommen werden kann. Eine zerstörungsfreie Untersuchungsmethode ist daher erforderlich.

Zur Vorbereitung wurden Rumpf und Flügel voneinander getrennt und in zwei eigens dafür angefertigte Stahlträger montiert. Am 11. Februar 2019 erfolgte schließlich der Transport nach Fürth, der von Mitarbeitern des Museums und einem Fernsehteam begleitet wurde.

An der Flugwerft Schleißheim wurden die beiden Gestelle wie geplant von einem Deckenkran auf zwei LKW verladen, deren Dach sich für solche Zwecke öffnen lässt. In dem Schleißheimer Flugzeughangar ist für diese Operation genügend Platz. In Führt allerdings erwies sich die Halleneinfahrt als ein paar Zentimeter zu niedrig für die LKW, so dass sie halb im Tor stecken blieben. Kurzerhand musste daher beim Entladen improvisiert werden. Die Stahlträger wurden mühsam aufgebockt und auf Rollen händisch von der Ladefläche geschoben, bis der Deckenkran die Last übernehmen konnte.

Schließlich gelang es, den Stahlträger mit dem Flugzeugrumpf sicher auf die Drehplattform des CT-Scanner zu stellen. Im Gegensatz zu den Computertomografen in Krankenhäusern dreht sich hier der Patient um seine eigene Achse und nicht der Scanner um den Patienten. Bei diesen Dimensionen ist der Scan so technisch einfacher und mit weniger Platzbedarf umzusetzen. Und dem Flugzeug macht die Bewegung nichts aus.

Bei einem CT-Scan wird das Flugzeug zeilenweise von unten nach oben und aus möglichst vielen Drehstellungen durchleuchtet. Es entstehen so tausende Einzelaufnahmen, aus denen am Computer scheibchenweise ein Volumenkörper berechnet wird. Dieser Vorgang dauert in unserem Fall mehrere Wochen.

Um die Neugier der Museumsmitarbeiter*innen und des Kamerateams zu befriedigen, wurde als Probeaufnahme ein einfaches Röntgenbild von einem Teil des Flugzeugs erzeugt. Hierauf mussten wir nur einige Minuten warten. Im Kontrollraum der Scan-Anlage wurde es eng, als sich alle vor einem Monitor versammelten und auf das Ergebnis warteten. Aber das Warten hat sich gelohnt: Die ersten Aufnahmen überzeugten durch Ihre Auflösung und Aussagekraft. Das macht Lust auf mehr.

Wir sind gespannt auf die finalen 3D-Daten.

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