Inventarnr.
75909
Systematik
570.05.05 Fotografie / Kinematographie / Normalfilmprojektoren (ab 35 mm)
Beschreibung
Unter der Überschrift "Weihnachts-Überraschungen der Firma Heinrich Ernemann, A.-G., Dresden" präsentierte die Zeitschrift 'Die Photographische Industrie' den Projektor am 3.12.1913 wie folgt:
"Der 'Ernemann-Kinox', ist ein höchst einfach konstruierter Vorführungs-Apparat für lebende Bilder im normalen Theaterformat. Die Ausführung ist, im Gegensatz zu vielen im Handel befindlichen Amateur-Kinematographen, beste Präzisionsmechanik. Es gibt am Ernemann-Kinox keine rohen, gestanzten, gepressten oder gegossenen und oberflächlich nachgearbeiteten Betriebsteile, vielmehr sind alle Wellen aus bestem Silberstahl, alle Lager und Räder aus dem gleichen Material oder Bronce sorgfältig gedreht und nachgeschliffen. Der Ernemann-Kinox ist deshalb auch durchaus kein Kinderspielzeug, sondern ein sehr leistungsfähiger Kinematograph speziell für Familien, der klare, absolut feststehende lebende Bilder erzeugt, wie sie kein Kinotheater besser vorzuführen imstande ist. Seine Hauptvorzüge sind: absolute Feuersicherheit im Betriebe und leichteste Handhabung.
Eine kleine Glühbirne neuartiger Konstruktion, die mit Überspannung brennt und ein fast punktförmiges, weisses Licht gibt, dient als Lichtquelle, deren Wärmeentwicklung trotz der grossen Helligkeit so gering ist, dass man ein einzelnes Filmbild beliebig lange stehen lassen resp. projizieren kann, was besonders für den Schulunterricht vorteilhaft ist. Auf dem zum Apparat gehörigen Bildschirm - eine 1 m breite Silberwand - erhält man ein sehr helles, scharfes Bild; diese Wand ist bequem zusammenlegbar und der ganze Apparat ist leicht transportierbar[...].
Der Umstand, dass man von einer elektrischen Leitung unabhängig ist, ohne an Spiritusglühlicht oder das Kalklicht beim Familien-Kinobetrieb gebunden zu sein, bildet einen weiteren Vorzug des Kinox, und dieser Vorzug ermöglicht die Verwendung des Apparates sozusagen selbst in den entlegensten Orten. Man kann die kleine Glühbirne mit einem Trockenelement oder Akkumulator speisen, doch ist der Apparat auch mit Zimmerleitung unter Benutzung einer beigegebenen Vorschaltglühbirne konstruiert. Dieser ungefährliche und hinsichtlich Lichtquelle unabhängige Kino-Vorführungs-Apparat füllt zweifellos eine Lücke aus und dürfte sich als Weihnachtsartikel zum Verkauf an besser situierte Familien eignen; sein Preis beträgt je nach Ausführung 250-320 M[ark]."