Industrieerzeugnisse und ihre Reklameplakate im Dialog
Eine digitale Ausstellung von Deutschem Museum und Münchner Stadtmuseum
Technische Produkte und Werbung stehen in einem engen Zusammenhang: Damit sich eine Erfindung verkauft, genügt es nicht, zweckmäßig und gut zu sein. Neuartige Produkte müssen bekannt gemacht werden und überzeugen, um sich durchzusetzen. Massenprodukte brauchen einprägsame Marken, um gegen Konkurrenten auf dem Markt bestehen zu können. Zugleich haben gerade große Firmen auch die Mittel, um in innovative Reklame zu investieren: Viele Unternehmen im technischen Bereich richteten bereits um 1900 eigene Werbeabteilungen ein.
Die digitale Ausstellung bringt Objekte aus dem Deutschen Museum mit passenden Werbeplakaten aus der Sammlung Reklamekunst des Münchner Stadtmuseums zusammen. Auch wenn nicht alle Pärchen perfekte Matches sind: Die Gegenüberstellung erzählt viel über die Geschichte der Produkte und der Werbung und ermöglicht eine bunte Reise in die technische Vergangenheit.
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Luxusprodukte für die Oberklasse
Egal ob Auto, Kinderwagen, Fotoapparat oder Zentralheizung: Neue Industrieprodukte waren am Anfang ihrer Karriere oft für die Masse unerschwingliche Luxusgüter. Entsprechend richtete sich die Werbung vor allem an die betuchte Oberschicht.
Die Münchner Fotohandlung Soennecken & Co. warb 1898 mit einem Fernreisemotiv für neuartige Fotoapparate, die sich im Vergleich zu herkömmlichen Plattenkameras gut mitnehmen ließen. Leisten konnten sich das eine wie das andere damals nur wenige.
Kleinbildkamera Leica I Modell A, 1930, Deutsches Museum, Inv.-Nr. 1983-358. Foto: Deutsches MuseumLudwig Hohlwein, Kleinfilmkamera Leica, nach 1925, Farblithographie, Münchner Stadtmuseum, Inv.-Nr. P-AA10/20. Foto: Münchner Stadtmuseum
Auch die 25 Jahre später von der Firma Ernst Leitz, Wetzlar, auf den Markt gebrachte erste alltagstaugliche Kleinbildkamera, die Leica I, war ein Artikel für das wohlhabende Bürgertum: Der Preis von 250–270 Reichsmark entsprach ein bis zwei Monatsgehältern eines besseren Angestellten.
Tourenwagen Audi Typ C "Alpensieger", 1914, Deutsches Museum, Inv.-Nr. 67341. Foto: Deutsches MuseumUnbekannt, Horch – preisgekrönte Automobil-Marke, um 1905, Farblithographie, Münchner Stadtmuseum, Inv.-Nr. P-C22/10. Foto: Münchner Stadtmuseum
Die Kleidung der Damen auf den Plakaten für die Tourenwagen von Horch bzw. Audi („Horch!“ auf Lateinisch) oder auf der Reklame für die innovativen Klapp-Kinderwagen von Brennabor zeigt deutlich: solche Gefährte waren vor dem Ersten Weltkrieg Luxusprodukte für die gesellschaftliche Oberklasse.
Nicht anders war das beim 1913 kurz vor Weihnachten als Neuheit auf den Markt gebrachten Heimkino-Projektor von Ernemann (mit einem stolzen Preis von um die 300 Mark) oder bei der damals im Privatbereich noch kaum verbreiteten Zentralheizung. Für den Betrieb der Letzteren benötigte man seinerzeit noch eigenes Personal.
Herrenfahrrad, Grundner & Lemisch, mit Bambusrahmen, 1904, Deutsches Museum, Inv.-Nr. 65543. Foto: Deutsches MuseumUnbekannt, Grundner & Lemisch Fahrräder aus Bambusrohr, nach 1895, Farblithographie, Münchner Stadtmuseum, Inv.-Nr. P-D22/8. Foto: Münchner Stadtmuseum
Auch das ab 1896 verkaufte Bambusfahrrad von Grundner & Lemisch war kein Produkt für arme Leute: Der Preis des als elegant, leicht und dauerhaft (beschädigte Rahmenteile waren leicht ersetzbar) beworbenen Fahrrads lag bei siebeneinhalb Monatsgehältern eines Stahlarbeiters. Das mit kolonial-romantischen Bildern spielende, indisch anmutende Plakatmotiv betont neben der Schnelligkeit die exklusive Exotik des Rads. Tatsächlich wurde das verwendete Bambusrohr allerdings aus China importiert.
Der 1907 erfundene elektrische Staubsauger wurde anfangs ebenfalls als Luxusprodukt für das gehobene Bürgertum vermarktet. In den 1930ern änderte sich das: Das sachlich-schlichte und den „erstaunlich niedrigen“ Preis betonende Plakat von Miele preist keinen Luxusartikel mehr an, sondern ein solides Haushaltsgerät für die breite Mittelschicht.
Staubsauger, Miele, Modell Ideal, ca. 1930, Deutsches Museum, Inv.-Nr. 1987-827. Foto: Deutsches MuseumUnbekannt, Miele-Ideal Staubsauger, um 1935, Farblithographie, Münchner Stadtmuseum, Inv.-Nr. P-A10/141. Foto: Münchner Stadtmuseum
Die Masse macht‘s
Der für viele Industrieerzeugnisse typische Wandel vom Luxusartikel zum Massenprodukt spiegelt sich auch in der Sprache der Reklame wider. Oft werden die Verkaufszahlen – nach dem Motto: Was viel gekauft wird, muss auch gut sein – selbst zum Werbeargument.
Sensenschmiede vom Jahre 1803 der Firma Haueisen & Sohn, 1803, Deutsches Museum, Inv.-Nr. 53055. Foto: Deutsches MuseumLudwig Hohlwein, Haueisen & Sohn "Weltsense", um 1925, Farblithographie, Münchner Stadtmuseum, Inv.-Nr. P-AA10/16. Foto: Münchner Stadtmuseum
„Welt-Rad“, „Weltsense“ – die Ähnlichkeit der Werbeslogans ist kein Zufall: Anfang des 19. Jahrhunderts noch in handwerklichen Hammerschmieden hergestellt, waren hundert Jahre später auch Sensen längst zu einem industriellen Massenerzeugnis geworden.
Ähnliches gilt für die Fotografie: Die Vortragsreihe mit Tipps für die neue Contaflex von Zeiss im über zweitausend Personen fassenden Kongresssaal des Deutschen Museums zeigt: Eine Spiegelreflexkamera war in den 1950ern kein Luxus mehr, Fotografieren war in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Das „Damenradfahren“ galt anfangs als absolut unschicklich, manche Ärzte erklärten es gar für gesundheitsschädlich. Dennoch fanden sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr Radlerinnen, die solche Vorurteile Lügen straften und sich auf dem Fahrrad ein Stück gesellschaftliche und modische Freiheit eroberten. Die Fahrradindustrie reagierte ab 1890 auf diesen Trend mit der Entwicklung des Damenrads, bei dem das heruntergezogene Oberrohr des Rahmens mit Rock bekleideten Radfahrerinnen das Aufsteigen erleichterte.
Auf Innovation folgt Diversifizierung – ähnlich verläuft die Entwicklung auch bei ganz anderen Produkten: Schon wenige Jahre nach der Entwicklung des Prismen-Feldstechers (1893) brachte die Firma Zeiss spezielle Ausführungen für Jäger, Heer, Marine usw. auf den Markt.
In einem zunehmend gesättigten Markt für Fotoplatten brachte Agfa um 1910 eine spezielle Platte für schnelle Fotos in Natur und Sport heraus: Die „Chromo-Isorapid“ war besonders lichtempfindlich und ermöglichte dadurch kürzere Belichtungszeiten. Wenig später setzte sich der praktischere Rollfilm als neues Fotomedium durch und Fotoplatten verloren an Bedeutung.
Konkurrierende Systeme
Welches System – Gas oder Elektrizität – sich im Bereich Beleuchtung durchsetzt, war lange unentschieden: Ab 1880 kamen die ersten brauchbaren Glühbirnen (mit einem Glühfaden aus verkohlten Bambusfasern) auf den Markt, die gegenüber Gas vor allem den Vorteil hatten, dass sie sicherer und bequemer waren. Mit der Entwicklung des Gasglühlichts durch den österreichischen Chemiker Carl Auer von Welsbach 1891 lag Gas auf einmal wieder vorn: Das „Auer-Licht“, bei dem ein Leuchtgas-Luft-Gemisch einen aus Baumwolle und Seltenen Erden hergestellten Glühstrumpf zum Leuchten bringt, war heller und billiger als das der elektrischen Kohlefadenlampen.
Auf dem von Heinrich Lefler gestalteten Jugendstilplakat sind die Vorzüge des „Auerlichts“ effektvoll ins Bild gesetzt. Auch der patentierte Glühstrumpf ist in der Lampe gut erkennbar. Beim Auerbrenner in der Sammlung des Deutschen Museums ist dieser fragile und zudem leicht radioaktive Bestandteil des Auerlichts, wie bei den meisten Museumsexemplaren, leider nicht mehr erhalten.
Nur wenige Jahre später bringt der gleiche Erfinder die ersten gebrauchsfähigen elektrischen Metallfadenlampen mit Glühdrähten aus Osmium und Wolfram auf den Markt (hier kommt der Markenname „Osram“ her) und leitet damit den endgültigen Siegeszug der Glühbirne ein. Andere Firmen ziehen schnell mit eigenen Entwicklungen nach, die unter verschiedenen Markenbezeichnungen intensiv beworben werden.
Bei der von Siemens & Halske 1903 entwickelten Tantallampe musste der Glühdraht wegen des geringeren elektrischen Widerstands des verwendeten Metalls Tantal viel länger sein als bei den früheren Kohlefadenlampen. Daher die komplizierte Halterung im Inneren der Birne. Dafür leuchtete die Lampe aber auch 2-3mal heller und hatte eine deutlich längere Lebensdauer.
In den 1950ern setzte dann eine massive Werbekampagne für die bereits in den 1930er Jahren entwickelten, von der Lichtausbeute her noch effizienteren, im Privatbereich aber wenig verbreiteten Leuchtstoffröhren ein. Aus dieser Zeit stammt der berühmte Slogan „OSRAM – hell wie der lichte Tag“. In München wurde der Spruch 1953 als große Leuchtreklame am Stachus-Rondell angebracht. 2019/2021 wurde der originale Schriftzug abgebaut und durch eine Installation in aktueller LED-Technik ersetzt. Ein Teil der alten Leuchtbuchstaben kam ins Deutsche Museum.
Dein Fahrzeug bringt dich nicht nur vorwärts, sondern zeigt auch, wer du bist. Wenn Werbung in der Zeit des Wirtschaftswunders dazu ermuntert, vom Motorrad auf einen Klein(st)wagen umzusteigen oder das Fahrrad mit einem Hilfsmotor zum Moped aufzurüsten, schwingt dieser Aspekt natürlich mit. Ein Wechsel der Fahrzeugklasse drückt auch sozialen Aufstieg aus.
Je weniger innovativ und exklusiv das Produkt an sich ist, umso mehr kommt es auf die Verpackung an. Bei Pelikan – der Marke der Farben- und Tintenfabrik Günther Wagner aus Hannover – gehörte das schon früh zur Strategie. Dass die Tuschefläschchen auf einem der Siegerentwürfe des 1909 ausgelobten Künstlerplakate-Wettbewerbs noch etwas knuffiger aussehen als in Wirklichkeit ist auch kein Zufall: Walter Fürst hat die Fläschchen auf seinem Entwurf bewusst als „Zwergenfamilie“ inszeniert.
Nach dem Prinzip „sex sells“ wurden Hygieneprodukte auch schon um 1900 gerne mit attraktiven Frauen beworben. Zusätzlich wird das Stück Seife auf dem Lysoform-Plakat durch die hohe Pose der in der Art einer antiken Göttin dargestellten jungen Frau geadelt.
Auf diesem 1902 von Georg Tronnier gestalteten Künstlerplakat für Pelikan-Tinte wirkt die nahezu gleiche Pose fast gespenstisch: Die surreale Farbgebung und der stechende Blick der Frau lassen das Motiv eher bedrohlich wirken. Die fast schon unheimliche Gestaltung zeigt, wie wenig psychologisch man Werbung um 1900 noch dachte.
Noch höher geht es nicht: Das um 1900 entstandene Plakat der Büromaschinenfabrik Stolzenberg hebt die neue Schreibmaschine „Oliver“ buchstäblich bis in den Himmel. Die spezielle Bauform, bei der die Typenhebel von oben auf die Walze schlagen, damit das Geschriebene besser sichtbar ist, hat sich am Ende trotzdem nicht durchgesetzt.
Schlittschuhe "Columbus", zum Anklemmen, um 1930, Deutsches Museum, Inv.-Nr. 2007-129. Foto: Deutsches MuseumUnbekannt, A. Storz Schlittschuhe, um 1905, Farblithographie, Münchner Stadtmuseum, Inv.-Nr. P-B19/43. Foto: Münchner Stadtmuseum
Das Schlittschuhplakat der Münchner Messerwarenhandlung Adam Storz setzt bei der Vermarktung eines eher gewöhnlichen Industrieartikels ebenfalls auf die große Pose. Heute wirkt das Plakat merkwürdig unbeholfen: Das gewählte Motiv – ein mittelalterlicher Herold, der breitbeinig auf dem Produkt steht, das er zugleich in seinen Händen präsentiert – steht mit dem Thema Eislauf in keinerlei Zusammenhang und könnte in seiner Beliebigkeit auch für fast jeden anderen Artikel Reklame machen.
Der 1902 unter der Markenbezeichnung Minimax auf den Markt gebrachte erste massenfähige Handfeuerlöscher wurde umgangssprachlich als „Spitztüte“ bezeichnet. Das Gerät funktionierte nach einem bis heute gebräuchlichen Grundprinzip: Durch einen Schlag auf den Boden wird ein mit Salzsäure gefüllter Glaszylinder zerstört. Der Inhalt reagiert mit der als Löschflüssigkeit eingefüllten Natronlösung. Dadurch wird schlagartig Kohlensäure frei, die die Flüssigkeit zur Düse treibt. Werbewirksamer als der dünne Strahl des geflügelten Helden in lässiger Gebieterpose auf dem Plakat dürfte der Werbeslogan des Dichters Joachim Ringelnatz gewesen sein: „Ein Schrei, es brennt! Ein Stoß, ein Knacks, zwölf Meter weit spritzt Minimax“.
Auf diesem Plakat von 1951 posieren weder Helden, noch junge Frauen, sondern das Produkt selbst: Die Büroschreibmaschine der Siegener Maschinenbau AG erscheint durch den Schattenwurf wie ins Rampenlicht gestellt. Der Slogan „Ein hoher Wertbegriff“ stellt die Maschine zusätzlich auf ein verbales Podest.
Schneller, weiter, höher ...
Die Bayerischen Motoren Werke werben um 1930 hingegen mit belegter Spitzenleistung: Die vom Werksfahrer Ernst Henne auf BMW-Motorrädern erreichten und Jahr für Jahr gesteigerten Geschwindigkeitsrekorde – 1929: 216 km/h, 1935: 256 km/h – oder der mit BMW-VI-Flugmotoren bewerkstelligte Pionierflug eines Dornier-Flugboots über den Atlantik waren der ultimative Beweis für die Leistungsstärke und Zuverlässigkeit der BMW-Motoren.
Je größer die Konkurrenz, desto wichtiger die Markenbildung: Um 1900 gab es allein in Deutschland über zwanzig größere Nähmaschinenhersteller mit einer jährlichen Gesamtproduktion von mehreren hunderttausend Stück. Ähnlich verlief die Entwicklung auf dem Fahrradmarkt. Nicht zufällig professionalisierte sich in der gleichen Zeit die Werbung: In den Jahren nach 1900 beherrschten zunehmend Plakate mit einer reduzierten, betont sachlichen Gestaltung die Anschlagsflächen. Die Bildelemente wurden oft auf eine grafisch vereinfachte Produktabbildung und den Firmenschriftzug reduziert.
Statt vieler Worte setzten die sogenannten Sachplakate auf visuelle Reize: Eine wirkungsvolle Farbgebung schafft Atmosphäre und transportiert Gefühle.
Ski mit Bilgeri-Bindung, 1 Paar, um 1920, Deutsches Museum, Inv.-Nr. 74703. Foto: Deutsches MuseumCarl Kunst, Bilgeri Skiausrüstung, nach 1907, Farblithographie, Münchner Stadtmuseum, Inv.-Nr. P-A19/91. Foto: Münchner Stadtmuseum
Auf diesem Plakat von ca. 1910 wird eine von Georg Bilgeri entwickelte Skibindung, die u. a. vom Münchner Sporthaus Schuster vertrieben wurde, allein durch das geschickt komponierte Bildmotiv als Ausrüstung für das perfekte Bergerlebnis inszeniert.
Auch das Plakat von Ludwig Hohlwein für den Motorpflug von M.A.N. hat es nicht nötig, seine Aussage – kraftvoll bergauf! – in Worte zu fassen:
Otto-Doppeldecker, 1912, Nachbau, Deutsches Museum / Verein zur Erhaltung der historischen Flugwerft Oberschleißheim e.V. Foto: Deutsches MuseumLudwig Hohlwein, Flugmaschinen-Werke Gustav Otto, 1912, Farblithographie, Münchner Stadtmuseum, Inv.-Nr. P-C22/16. Foto: Münchner Stadtmuseum
Flugzeugtechnik unverkennbar made in München! Der nach französischem Vorbild ab 1912 gebaute Doppeldecker der Flugmaschinenwerke Gustav Otto wurde bei der Königlich-Bayerischen Fliegertruppe als Aufklärungs- und Schulungsflugzeug eingesetzt. Ein originales Exemplar des Flugzeugtyps ist nicht erhalten. Ein originalgetreuer Nachbau kann in der Flugwerft Schleißheim besichtigt werden. Aus den Flugmaschinenwerken Gustav Otto ging später die Firma BMW hervor.
Flugzeug Rumpler C IV, 1917, Nachbau mit Originalteilen, Deutsches Museum, Inv.-Nr. 1976-818. Foto: Deutsches MuseumLudwig Hohlwein, Rumpler-Luftverkehr, um 1921, Farblithographie, Münchner Stadtmuseum, Inv.-Nr. P-A17/117. Foto: Münchner Stadtmuseum
Besser kann man die Exklusivität von Flugreisen um 1920 kaum vermitteln: Auf dem ebenfalls von Ludwig Hohlwein gestalteten Plakat für die 1919 gegründete Rumpler-Luftverkehrs AG, deren Flotte überwiegend aus umgebauten Militärmaschinen aus dem Ersten Weltkrieg bestand, ist das winzige Flugzeug kaum erkennbar. Der Fokus liegt voll und ganz auf der Faszination der am Boden gebliebenen Beobachter.
Noch einen Schritt weiter geht das Werbeplakat für die Kochherde der Darmstädter Firma Roeder: Es verzichtet komplett auf eine Darstellung des Produkts und setzt – indirekt, aber wirksam – ganz auf die Empfehlung eines Profikochs.
Werbemittel für Ausstellungen und Messen
Viele Maschinenmodelle, die sich heute in der Sammlung des Deutschen Museums befinden, waren ursprünglich Werbemittel: Sie wurden von den Herstellerfirmen angefertigt, um Neuheiten auf Messen und Gewerbeausstellungen zu präsentieren. Aus diesem Kontext stammen wohl auch die beiden Plakate aus der Sammlung des Münchner Stadtmuseums, die eher Sortimentverzeichnisse als Reklame sind.
Dauerbrandofen "Kronjuwel", geschnitten, um 1905, Deutsches Museum, Inv.-Nr. 17865. Foto: Deutsches MuseumUnbekannt, Adolf Grohmann & Sohn "Oeconomia" Dauerbrandofen, um 1890, Farblithographie, Münchner Stadtmuseum, Inv.-Nr. P-B10/72. Foto: Münchner Stadtmuseum
Der Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte Dauerbrandofen hat einen speziellen muldenförmigen Feuerraum, in dem das Brennmaterial (in der Regel Koks oder Kohle) von selbst nachrutscht. Ein ausgeklügeltes Luftführungssystem verlangsamt die Verbrennung und sorgt zugleich für eine maximale Nutzung der erzeugten Wärme. Heizen – so das im Vergleich zu den minimalistischen Sachplakaten der 1910er und 20er Jahre geradezu geschwätzige Plakat von 1890 – wird dadurch nicht nur bequemer, sondern – wenn sich der Kauf des Ofens einmal amortisiert hat – auch billiger. Beim Nachfüllen der Kohle machte man sich aber auch bei solchen Öfen immer noch die Hände schmutzig.
An genau diesem Punkt setzt die ohne viele Worte auskommende Werbung für den Gasbadeofen von Junkers an: Dieser war, weil es hier nichts mehr nachzufüllen gab, nicht nur noch einmal ein Stück bequemer, sondern zudem auch komplett sauber. Der Badeöfen-Professor Junkers ist übrigens der gleiche wie der Flugzeugbauer-Junkers.
Gasbadeofen "Quelle" von Junkers, 1927, Deutsches Museum, Inv.-Nr. 59500. Foto: Deutsches MuseumBrynolf Wennerberg, Prof. Junkers Badeöfen, um 1925, Farblithographie, Münchner Stadtmuseum, Inv.-Nr. P-A10/16. Foto: Münchner Stadtmuseum
Einer für alles: Der 1955 von ESGE auf den Markt gebrachte elektrische „Zauberstab der Hausfrau“ kann je nach Aufsatz mixen, hacken, mahlen, schlagen und pürieren. Und das, wie das Plakat verspricht, ganz ohne komplizierte Technik: „Ins Gefäß halten – einschalten!“
Pelikan war nicht die einzige Firma, die um 1930 Füllfederhalter produzierte. Umso wichtiger war es, die technischen Verbesserungen herauszustellen, durch die sich der neue Kolbenfüller von Pelikan auszeichnete: das Differenzial-Schraubgetriebe der Kolbenpumpe und das transparente Tintenfenster.
Eine farblose Substanz verhilft bunten Stoffen zu mehr Farbe: 1911 entdeckten die Chemiker August Leopold Laska, Arthur Zitscher und Adolf Winther, dass sich mit dem Anilid der 2-Hydroxynaphthalin-3-carbonsäure lichtechte und waschfeste Färbungen auf Baumwollstoffen erzeugen lassen: Die Textilien werden mit der farblosen Substanz vorbehandelt und anschließend in eine Lösung aus Diazoniumsalzen getaucht. Dabei bildet sich das Farbpigment in einer chemischen Reaktion direkt auf der Faser. Die Substanz wurde ab 1912 unter dem Handelsnamen "Naphtol AS" im Offenbacher Farbenwerk der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron produziert, die später in der IG Farben aufging.
Technik, die Freude macht
Technik ist primär Mittel zum Zweck. Bei kaum noch unterscheidbaren Massenprodukten verfängt solide Zweckerfüllung als Argument allerdings nur noch bedingt. Die Werbung greift in solchen Fällen gerne zu einem Trick: Sie verknüpft das Produkt, das sich verkaufen soll, mit positiven Emotionen.
Auch die Motorradbauer setzen in den 1950ern, als die Produktion mit dem Wirtschaftsaufschwung nach dem Krieg wieder an Fahrt aufnimmt, in der Werbung auf den Faktor Freude (am Fahren), um den Käufer von den Vorzügen ihrer technisch nur wenig unterschiedlichen Modelle zu überzeugen. Wenn konkurrierende Firmen ihre Reklame vom gleichen Künstler malen lassen, macht das die Entscheidung allerdings kaum leichter: Die einmal für DKW- und einmal für BMW-Maschinen werbenden Plakate von Herbert Schlenzig zeigen aus etwas anderer Perspektive im gleichen Stil die gleiche Szene – sogar die blonde Schönheit auf dem Rücksitz sieht gleich aus!
Auch das Plakat für den 1953 auf den Markt gebrachten Heinkel Tourist spielt geschickt mit Emotionen. Statt Freude am Fahren steht hier das Ankommen im Vordergrund: Der standardmäßig mit zwei Gepäckträgern, Reserverad, robustem Motor und einer komfortablen Sitzbank ausgestattete Roller war auch für Fahrten über die Alpen geeignet. Der Traum von einer Urlaubsreise nach Italien wurde damit auch für kleinere Leute zum erreichbaren Ziel.
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der Werbung gerne Wortspiele und Reimereien eingesetzt. Wenn sie auf humorvolle Weise ihr Publikum erreichten, blieben sie leicht im Gedächtnis haften, vorausgesetzt, sie trafen den Nerv der Zeit und waren kurz und prägnant gestaltet. Hier versucht die Marke Philips ihren elektrischen Trockenrasierer mit der Mehrdeutigkeit des Wortes „Apparat“ auf witzige Weise an den Mann zu bringen.
Die Werbung für die Rechenmaschine Olympia liest sich wie ein Bilderwitz auf „Taschenrechner“ – den es 1959 aber noch gar nicht gab. Der erste elektronische Taschenrechner kam erst zehn Jahre später auf den Markt.
Die 1929 bzw. 1930 beim Norddeutschen Lloyd in Dienst gestellte Europa und ihr Schwesterschiff Bremen waren zu ihrer Zeit die modernsten Schnelldampfer der Welt. Als schnellste Passagierschiffe zwischen Europa und New York errangen sie wiederholt das Blaue Band. Die technische Höchstleistung im Inneren spiegelte sich in der modernen stromlinienförmigen Architektur der Schiffe. Bei den Schornsteinen stellte sich das schnittige Design allerdings schnell als dysfunktional heraus: Da die Decks verrußten, mussten die Schlote später zweimal verlängert werden. Auch das Plakat betont mit seiner Inszenierung des Bugs die imponierende Kraft und Geschwindigkeit der Schiffe. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den winzigen Segeldampfer im Vordergrund: die erste „Bremen“ aus dem Jahr 1858.
Die ab 1909 gebauten Parseval-Luftschiffe waren sogenannte Prallluftschiffe, die anders als der Zeppelin kein inneres Gerüst besaßen. Die despektierlich auch „Gummikühe“ genannten Luftschiffe gab es in militärischen und in zivilen Varianten. Das Plakat des Münchner Stadtmuseums wirbt für Vergnügungsfahrten mit dem als Rundfahrt- und Werbeluftschiff für maximal zwölf Passagiere konstruierten PL 6. Die Gondel im Deutschen Museum stammt vom 1908 im Auftrag des preußischen Kriegsministeriums gebauten PL 2.
Das Luftschiff LZ 127 Graf Zeppelin wurde 1928 in Betrieb genommen. Es war das erfolgreichste Verkehrsluftschiff seiner Zeit und erlangte durch spektakuläre Fahrten, wie seine „Weltfahrt“ und eine „Polarfahrt“, internationale Berühmtheit. Das Werbeplakat setzt den Graf Zeppelin als Wunderwerk der Technik effektvoll in Szene. Fotografische Darstellungen waren auf Plakaten damals noch nicht üblich, was der Reklame eine ausgesprochen moderne Note gab. Das Plakat lässt sich auf kein konkretes Ereignis beziehen. Zur Plakatierung in den Städten wurde es wohl mit den entsprechenden Tourneedaten beklebt oder bedruckt. Die originale Bugspitze und weitere Teile des 1940 verschrotteten Luftschiffs befinden sich seit 1946 in der Sammlung des Deutschen Museums.
Die von Hugo Junkers entwickelte dreimotorige Ju 52, die auf dem Plakat mit behaglicher Kabinenbeleuchtung über eine nächtliche Winterlandschaft fliegt, wurde ab 1932 gebaut. Robust, zuverlässig und wartungsfreundlich war die Ju 52 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs das Standard-Verkehrsflugzeug der Deutschen Lufthansa. Das Plakat muss der Schreibweise („Luft Hansa“) nach schon bald nach der Einführung des neuen Flugzeugs entstanden sein. Seine Perspektive unterscheidet sich deutlich von den zehn bis zwanzig Jahre älteren Flugzeugplakaten von Ludwig Hohlwein: Das Lufthansa-Plakat von Hans Vogel bewirbt kein abgehobenes Wunderwerk der Technik mehr. Jetzt geht es darum, das Flugzeug als normales Verkehrsmittel zu etablieren.