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VRlab & Proxy

Im VRlab und im Proxy konnten Besucher*innen von 2018 bis Ende 2022 in virtuelle Welten eintauchen und auf einem Fahrsimulator sowie zwei VR-Flächen vier VR-Szenarien ausprobieren.

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VR-Flächen mit Fahrsimulator im Betrieb. Foto: Deutsches Museum Digital, CC BY-SA 3.0

Das VRlab

Im August 2018 wurde das VRlab im Deutschen Museum, als ein Ergebnis des Teilprojekts M3 im Rahmen des Verbundprojekts museum4punkt0 eröffnet. Das VRlab war dabei mehr als eine Ausstellungsfläche, es fungierte als

  • Virtuelle Erweiterung des Ausstellungsraums
  • Experimentierfläche
  • Gläsernes Labor

Virtueller Ausstellungsraum

Auf insgesamt 120 Quadratmetern wurde ein Anmeldebereich, eine Multifunktionsfläche sowie drei Flächen zur Präsentation von VR-Sequenzen platziert. Im virtuellen Ausstellungsraum wurden 3D gescannte und aufwendig nachmodellierte Objekte des Deutschen Museums präsentiert. Neben einem Fahrsimulator, mit dem man virtuell über die Mondoberfläche fahren und die Landing Site der Apollo Mission erkunden konnte, wurden auf den zwei VR Flächen in Kooperation mit der Firma VR-Dynamix das Apollo Szenario, die Präzisions-Ventil-Dampfmaschine der Gebrüder Sulzer, der Benz Patent-Motorwagen Nummer 1 sowie der Normalsegelapparat von Otto Lilienthal virtuell in Szene gesetzt. So konnten Besucher*innen z. B. die Dampfmaschine in einer Spinnerei des 19. Jahrhunderts nicht nur besichtigen, sondern sich auch einzelne Bauteile und Mechanismen, wie den Dampfkreislauf anzeigen und erklären lassen. Für die Modellierung der jeweiligen Sequenzen wurde entsprechend auf die Scandaten zweier Verfahren (Photogrammetrie und Laserscan) sowie auf Baupläne, Unterlagen oder sogar Satellitenaufnahmen und Originaldaten der NASA zurückgegriffen, um beispielsweise die Mondoberfläche mit den jeweiligen Standorten von Landefähre und Forschungsstation möglichst realitätsgetreu darzustellen.

Experimentierfläche

Das VRlab als Labor beziehungsweise als Experimentierfläche wurde explizit modular und offen gestaltet, um einerseits neue technologische Entwicklungen zeitnah testen zu können und andererseits auch die Technologie hinter dem Erlebnis den Besucher*innen zugänglich zu machen. Über die Projektlaufzeit werden hier unterschiedliche Fragestellungen wissenschaftlich bearbeitet und nachhaltig dokumentiert. Hierfür wurden von Beginn an Herausforderungen, Maßnahmen und Entscheidungsprozesse dokumentiert. Zudem wurden seit der Öffnung des VRlabs Daten erhoben, um folgende Fragen zu beantworten:

  • Welche infrastrukturellen Voraussetzungen sind für den Aufbau eines VRlabs bzw. einzelner VR-Flächen notwendig (z.B. im Hinblick auf die Raumgröße oder das technische Equipment)?
  • Welche Betriebskonzepte bieten sich an, wenn virtuelle Objekte Besucher*innen zugänglich gemacht werden sollen (z.B. mit oder ohne Anmeldung)?
  • Welche digitalen Vermittlungsmethoden können in VR-Szenen eingesetzt werden (z.B. virtuelle Touren oder freies Explorieren der Nutzer*innen)?

Im Rahmen der Untersuchung wurden unterschiedliche wissenschaftliche Methoden angewandt, um diese Fragen zu beantworten. Bereits zu Beginn wurden Beobachtungstagebücher für das Betreuungspersonal eingeführt und Weiterentwicklungen für die Dokumentation festgehalten. Ergänzt wurden die so gesammelten Daten durch 10 leitfadengestützte Interviews sowie einer Fragebogenanalyse (n = 400), welche aufbauend auf der Analyse der Interviews entwickelt wurde. Hinzu kommen kurze Teststrecken mit anderen VR-Systemen, wie 360-Grad-Brillen, die ohne Betreuungspersonal eingesetzt werden können, diverse andere Hardwaresysteme oder technologische Erweiterungsansätze, wie Eye Tracking zur Unterstützung der Menüführung. Ein ausführlicher Bericht zu den im VRlab umgesetzten Evaluationen sowie zahlreiche nach nutzbare Inhalte (z.B. eine Infografik oder eine Vorlage für ein Betriebskonzept) wurden auf der Projektseite ebenso wie auf der Verbundwebseite unter Ergebnisse veröffentlicht.

Gläsernes Labor

Gleichzeitig fungierte das VRlab als eine Art “Gläsernes Labor”. Gläserne Labore im Deutschen Museum haben eine lange Tradition. Im VRlab geht es statt um transparente Forschungsprozesse um die Sichtbarmachung aktueller technologischer Entwicklungen hinsichtlich Virtual Reality and Augmented Reality. Entsprechend wurde die Technik (z.B. Tracking-Systeme) sichtbar platziert und das Betreuungspersonal dahingehend instruiert nicht nur über die virtuellen Objekte, sondern auch über die Funktionsweisen der Technologie aufzuklären. Darüber hinaus wird die Fläche regelmäßig an kooperierende Firmen sowie Künstler*innen und Studierendenprojekte vergeben, um den Besucher*innen Einblicke in die Verwendung von VR-Technologien zu geben – z.B. VR in der Medizin, in der Logistik oder als Kunstprojekt. So erhalten Besucher*innen Einblicke in unterschiedliche technologische Entwicklungen sowie Vermittlungskonzepte.

Screenshot der VR-Szene zur Apollo Mission. Zu sehen ist das Landemodul vor der Mondlandschaft.

VR-Szene der Apollo Mission. Screenshot: VR-Dynamix / Deutsches Museum Digital, CC BY-SA 3.0

Umgang mit der COVID-19-Pandemie

Auch der Betrieb des VRlabs blieb von den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie nicht verschont. Nicht nur war es als Teil der Ausstellungen des Deutschen Museums ebenfalls von den umfassenden Schließungen und Lockdowns betroffen, es gab auch zahlreiche Herausforderungen zu bewältigen für ein Konzept, das auf intimen Kontakt mit Technologie setzt und auf direkte persönliche Betreuung angewiesen ist.

Während im VRlab seit dessen Gründung bereits ein umfangreiches und kontinuierlich ausgearbeitetes Hygienekonzept zum Einsatz kam, wurde dieses zur Neueröffnung unter pandemischen Bedingungen erneut erweitert, um gesteigerte Sicherheit zu gewährleisten. So wurden alle verbleibenden Kontaktflächen des Headsets mit entsprechenden Kunstlederüberzügen versehen, die gründlicher zu Reinigen und im Zweifelsfall einfach austauschbar sind. Durch ausführliche Reinigung und Desinfektion aller Geräte nach jeder Nutzung konnte so bestmögliche Sauberkeit gewährleistet werden. Da unter pandemischen Bedingungen allerdings auch jeder interpersönliche Kontakt auch bei höchster Sorgfalt ein Risiko darstellte, mussten wir uns auch hier bemühen diesen auf die nötigsten und bereicherndsten Interaktionen zu reduzieren. So wurde den neuen VR-Sequenzen ein ausführliches interaktives Tutorial hinzugefügt, das den Teilnehmer*innen anhand von spielerischen Beispielen die wichtigsten Interaktionsmöglichkeiten erläuterte.

Gleichzeitig wurde der Lockdown dazu genutzt, um erweiterte, alternative und neue Nutzungskonzepte für die Räumlichkeiten zu erforschen und zu testen. Dies beinhaltete u.a. 3D-Projektionen, Cave-Projektionen, und Gestensteuerung.

Foto einer Raumprojektion von einer Unterwasserwelt. Zu sehen ist eine Person von hinten mit einer VR-Brille. An den Wänden sieht man unscharf Felsen und Wasser. An der Decke ist ein Gerüst zu sehen.

Raumprojektion einer VR-Szene während eines Festivals am Deutschen Museum in Kooperation mit dem XR HUB Bavaria. Foto: Deutsches Museum Digital, CC BY-SA 3.0

Vom VRlab zum Proxy

Im Anschluss an die gelungene Implementierung und den Betrieb des VRlabs von 2018 bis 2022 mit 21.776 erfassten Teilnehmer*innen wurde das Konzept um einen Co-Working Space erweitert und in das Proxy überführt. Benannt nach den gleichnamigen, weitverbreiteten Vermittlungs- und Kommunikationsschnittstellen in Computernetzwerken, erweiterte das Proxy das bewährte Konzept des VRlabs auf einer größeren Fläche. Es integrierte dabei zusätzliche Aspekte wie einen allgemeineren Fokus auf innovative Digitalformate, sowie Workshops, Co-Kreation und umfangreiche Kooperationsprojekte.

Konzepterweiterung: Aus VRlab wird Proxy

2022 ist das VRlab aufgrund der Sanierungsarbeiten am Deutschen Museum in das neu eröffnete Forum der Zukunft umgezogen. Ziel war unter anderem die Verstetigung des Projekts über die Laufzeit und Finanzierung durch museum4punkt0 hinaus. Beibehalten wurde auf den knapp 200 m² das ursprüngliche Vermittlungskonzept des VRlabs, mit zwei VR-Freiflächen und einem VR-Fahrsimulator. Gezeigt wurden die, basierend auf der Evaluation, umfassend überarbeiteten VR-Sequenzen mit den bereits bekannten Objekten. Darüber hinaus wurde das Konzept um eine weitere VR-Freifläche als Testfläche und einen co-kreativen Arbeits- und Experimentierraum modular und flexibel erweitert. Dies ermöglichte es, nicht nur einen sicheren Regelbetrieb der VR-Flächen zu gewährleisten, sondern auch vielseitige Kooperationsprojekte mit Forschungseinrichtungen, der Kultur- und Kreativindustrie und freischaffenden Künstler*innen mit minimalem Vorbereitungsaufwand umzusetzen.

Das Proxy wurde im Rahmen des Festivals der Zukunft im Juli 2022 eröffnet und lud verschiedene Netzwerkpartner ein, eigene Inhalte auf der Fläche zu präsentieren. So konnten Besuchende in "How is the Water" in Kooperation mit Cyan Planet und dem XR HUB Bavaria wie ein Delfin schwimmen oder in "Space Explorers" von Felix & Paul Studios die International Space Station erkunden. In einer weiteren Kooperation im Herbst 2022 zeigte der Bayerische Rundfunk die berührende interaktive Installation "München 72".

Das im Rahmen der dive in. Förderung des Neustart Kultur Programms der Kulturstiftung der Länder geförderte Projekt invite2innovate wurde ebenso im Proxy durchgeführt. Hier wurden neue Formen der Contenterstellung, wie z.B. über Digital Residencies und einem Wettbewerb mit Klein- und Mittelständischen Unternehmen erprobt. Das Proxy diente auch als Basis für weitergehende Kooperationen mit Forschung und Kultur. Gemeinsam mit der LMU München wurden Praktika, Seminare und Abschlussarbeiten umgesetzt und ein Forschungskonzept zum Thema soziale Interaktion und Extended Realities (XR). Gleichzeitig wurde die über mehrere Jahre aufgebaute Expertise an Kolleg*innen anderer Kultureinrichtungen weitergegeben und die Durchführung digitaler und virtueller Projekte beratend begleitet.

Das Proxy sollte ein Ort sein, der sich am Puls der digitalen Forschung befindet und den modernsten Anforderungen gerecht wird. Ein Ort, der nicht nur einmalig statisch eingerichtet wird, sondern dynamisch im Wandel ist und selbstständig auf sich kontinuierlich wandelnde Anforderungen reagiert. Mit dem Ziel Besucher*innen, Kooperationspartner*innen und allen weiteren Interessenten die Möglichkeit zu bieten, sich aktiv auszutauschen, auf den neuesten Stand zu kommen, selbst Wissen zu vermitteln und so die Zukunft des technologischen Wandels mitzugestalten.

Foto der VR-Flächen des Proxy. Zu sehen sind mehrere Personen. In der Mitte sieht man von hinten den Fahrsimulator mit einem breiten Bildschirm. In den Ecken dahinter sieht man leuchtende Bildschirme der VR-Flächen mit Personen.

Die Eröffnung des Proxy im Rahmen des Festivals der Zukunft 2022. Foto: Deutsches Museum | Florian Freund

Schließung des Proxy

Nach fast fünf Jahren Betrieb, mit mehr als 23.000 Teilnehmer*innen und zahlreichen Projekten, musste das Proxy im Forum der Zukunft Ende bereits November 2022 aufgrund fehlender Finanzierung wieder schließen. Trotz intensiver Bemühungen des Teams, langfristig alternative Finanzierungskonzepte zu finden, konnte das Deutsche Museum weder eine Übergangsfinanzierung ermöglichen noch am ursprünglichen Plan festhalten, den digitalen Experimentierraum dauerhaft zu etablieren. Auch die Nutzung des Proxy als Forschungs- und Testfläche sowie als Creative Hub für die Kultur- und Kreativwirtschaft ist seit März 2023 nicht mehr möglich. Auf der ehemaligen Fläche des Proxy entsteht ein neues Ausstellungskonzept.

Für bereits geplante Seminare, Abschlussarbeiten und Forschungsprojekte wurden entsprechende Übergangslösungen gefunden. Zudem sollen den Besucher*innen weiterhin virtuelle Angebote im Science Communication Lab zur Verfügung stehen. Die gesammelten Erfahrungen und Daten werden aktuell in umfassende Publikationen zusammengefasst. Die Forschung und Beratung im Bereich virtueller und digitaler Museumsangebote wird also fortgesetzt, auch wenn mit dem Proxy / VRlab eine bedeutende Möglichkeit verloren gegangen ist, neue digitale Technologien gemeinsam mit Unternehmen, Universitäten und Besucher*innen unkompliziert und zeitnah zu testen.

VRlab Trailer